Historisches

Bereits im Jahre 1720 wurde Sankt Blasien erstmals mit seinen Märkten erwähnt (bei Gumpp).
Sankt Blasien hatte nämlich beides: Jahrmärkte, wie sie noch heute durchgeführt werden, und Wochenmärkte, auf welchem ordinari (rechtlich und herkömmlich) die fremden Krämer ihre Ware feilboten.
 

Der Marktplatz war das Gebiet zwischen Faschianstor (Törle), Schreiner Jünger (altes Haus Lüber), Gefängnis (ehem. Güterabfertigung), Bäckerei Gäng (Haus Stiefel), Weg vom Hofgarten zur eisernen Brücke (Krafftdenkmal), Schulhaus (Marstall) und Beamtengärtchen (Pfarrgarten). Es gab feste Marktbuden für die Wochenmärkte, und Stände, die nur für die Jahrmärkte aufgestellt wurden durch die Herrschaft und gegen Gebühr. Hier fand jeden Sonntag und Feiertag nach dem Hauptgottesdienst bis zum Beginn der Nachmittagsandacht (Vesper) am frühen Nachmittag, der Wochenmarkt statt.

Es wurden feilgeboten: Lebensmittel aller Art, Schwarzwälder Artikel, Bauernwollgarn, Baumwolle, Tabakdosen, Schlösser, Seidenbänder, Kappen für Frauen, Kämme, Goldborden, Zopfbänder, Nähseide, Schnupftücher, Türkischgarn, Hosenträger und ähnliches. Auch Galanterie- und Spezereiwaren wurden angeboten. Und eben in diesem Warenangebot lag auch die Begründung für diesen Sonntagsmarkt. Weil die arme Bevölkerung (Holzhauer, Köhler, Bauern und später noch die Fabrikarbeiter) an den Werktagen keine Zeit hatten (Arbeitszeit von 5 Uhr früh bis 19 Uhr abends). Am Sonntag aber kam die Bevölkerung der nicht zu entfernten Orte nach Sankt Blasien zum Gottesdienst, und dies gab dann auch die Möglichkeit, sich auf dem Wochenmarkt mit dem Notwendigen zu versehen.  

Die Anbieter waren auswärtige Krämer, da es ja in Sankt Blasien zu diesen Zeiten, also bei Bestehen des Klosters und noch geraume Zeit nachher, keine Geschäfte gab. Der Brauch der sonntäglichen Wochenmärkte wurde daher auch in den nachklösterlichen Jahren beibehalten und blieb bis zum Jahr 1823 unangefochten.

Inzwischen hatten sich in der neugegründeten Gemeinde Sankt Blasien einzelne Händler und Handwerker niedergelassen, und es begann ein jahrzehntelanger Kampf der ortsansässigen Geschäfte (und der Pfarrer am Dom) gegen die auswärtige Konkurrenz der Wochenmärkte und das "unsittliche" Marktgetriebe. Oberamtmann Ernst (1815-1844), ein sehr weitsichtiger und tatkräftiger Bezirksvorstand, verteidigte bei der Regierung mit Erfolg der Gesamtbevölkerung seines Bezirks die Wochenmärkte gegen Sonderinteressen der neuen Sanktblasier- "Bändel- und Gewürzkrämer", wie er sie nannte. Das Gegenteil versuchte sein Nachfolger, der "verrückte" Amtmann von Laroche mit seinem aufbrausenden Temperament. Schon nach dem ersten in Sankt Blasien verbrachten Sonntag beantragte er am 14. Februar 1845 bei der Obrigkeit die Abschaffung der Wochenmärkte als Störung des Sonntags. Dabei vertrat er auch die Ansicht des Pfarrers am Dom Carl Häfelin, dem diese Märkte auch schon lange ein Dorn im Auge waren. Schließlich löste sich das Problem der Sonntagsmärkte von selbst, indem um 1865-67 bei Errichtung der ersten Neubauten am Marktplatz (Bäckerei Gäng und das neue Amtsgefängnis) der größte Teil der festen Wochenmarktbuden abgebrochen wurde. So verschwand dieser lange umstrittene Sonntagsmarkt.  

Über einen Sonderfall verdient es noch berichtet zu werden: Zur Zeit dieser Wochenmärkte gab es in Sankt Blasien den "Ankenplatz". So hieß die nächste Umgebung der nordwestlichen Ecke des Klostergebäudes, des sogenannten "Fürstenecks". Auf dem selben wurde, wenigstens seit dem Gedenken der ältesten Leute, der sonntägliche Anken- oder Buttermarkt abgehalten. Leute und Lärm dieses Marktes waren einem Herrn von Eichthal zuwider und um die Leute zu verdrängen, zog er mitten durch den Platz einen Graben. Er hatte damit den Zweck erreicht und die lärmenden Buttermarktweiber von dem Ort vertrieben.

Der Ankenplatz wird heute noch an den beiden Krämertagen genutzt. Die beiden noch üblichen Jahrmärkte wurden ursprünglich im Juni als Johannismarkt (24. Juni) und Mitte Oktober abgehalten. Diese Jahrmärkte zogen schon zu Klosterzeiten und auch später eine ziemliche Menge Volkes herbei und verschafftem dem nahegelegenen Gasthaus einen bedeutenden Umsatz. Fielen die genannten Termine auf einen Samstag, dann mußte mit Rücksicht auf die Juden bei der Obrigkeit die Genehmigung zur Verlegung auf einen anderen Wochentag beantragt werden. Denn "die Hebräer, welche den hiesigen Jahrmarkt (als Krämer) am häufigsten besuchen, könnten an diesem Tag (als Sabbat) sich nicht einfinden." Im Jahre 1852 wurde auf Verlangen von Teilen der Beteiligten der Versuch gemacht, den Johannismarkt auf Anfang Mai zu verlegen, "unter Errichtung gleichzeitiger Viehmärkte". Begründung: Später sei ein teil des Viehs auf den Sommerweiden. Doch schon 1856 wurde der Markt wieder auf den Johannistag verlegt, weil "die Leute vorher noch kein Geld hatten".

Text: auszugsweise aus Bernhard SteinertSankt Blasier Land; Berichte und Dichtungen um eine Landschaft und ihre Geschichte.